In Studio-Theater Stuttgart: Strindbergs „Inferno“

22. Mai 2012 von H. Wittmann

Zu Johan August Strindbergs (1849-1912) Ehren zeigten wir, am Montag, 14. Mai um 20.00 Uhr, Strindbergs „Inferno“ – Die legendäre Erkundung einer Grenzerfahrung. Diese Premiere ist gleichzeitig auch der Auftakt unseres zweiwöchigen „Strindberg-Festivals“. Bei diesem Festival wird es noch zwei weitere Premieren geben. Das kleinste professionelle OffTheater und Zweispartenhaus Stuttgarts! Das Studio-Theater bürgt für frisches, kreatives Theater und wurden von der Fachzeitschrift »Die Deutsche Bühne« 2010 und 2011 bundesweit als bestes OffTheater ausgezeichnet. Einmal im Jahr wird ein großer einen „großen Klassiker auf kleiner Bühne inszeniert, ansonsten werden hauptsächlich Theaterstücke junger Autoren und Dramatiker gezeigt.

Erste Premiere, am Montag 14. Mai 2012 um 20.00 Uhr,
von INFERNO von August Strindberg

Erkundung einer Grenzerfahrung
Absinth in Mengen. Wermut und Bier. Kohlenstoff und Schwefel. Höllenfeuer. Weibsbilder und Weiber. Ehefrauen und Kinder – vor allem verlassene. Totenköpfe und Totenkopffalter. Dante und die höheren Mächte. Friedhofsspaziergänge und überall, einfach überall ist etwas, das bereit ist, dir ein Zeichen zu sein. Du musst es nur sehen. Du musst es nur sehen wollen. Du musst bereit sein. >Kein Zweifel, ich werde auf ein höheres Dasein vorbereitet!< Strindberg ist ein Wutbürger ersten Grades. Er ist gegen ein satt situiertes Bürgertum, gegen den Obrigkeitsstaat, gegen Emanzipation und gegen Materialismus. Und natürlich gegen jede Art von Kollektivismus. – Er ist: ein radikaler Individualist. Strindbergs ›Inferno‹ ist das Protokoll einer tiefen Lebenskrise, das Lächerlichkeit und Tiefsinn wagt, Verfolgungswahn und präziseste Wirklichkeitswahrnehmung miteinander kombiniert. Es ist ein radikaler Selbstversuch, um zur Kreativität und ungehemmten, literarischen Schöpferkraft zu finden. Dazu trennt er sich von Frau und Kind, taucht in einem Hotel in Paris unter. Er verzichtet auf sein literarisches Schaffen und startet statt dessen waghalsige chemische und alchemistische Versuche, die seine Wahrnehmung verändern. Danach bleibt nichts mehr, wie es war. Strindberg erzeugt in sich eine Kernschmelze, bei der er auch körperlich Grenzen überschreitet, Krankheit und Wahnsinn riskiert – um sie literarisch nutzbar zu machen. Nachdem er bereits die Literaturszene aufgemischt hatte, war sein Ziel, die Chemie zu revolutionieren – was ihm misslingt. Stattdessen veränderte er das Theater ... Regie: Dieter Nelle _ Spiel: Stefan Maaß _Ausstattung: Gesine Pitzer Vorstellungen: 17., 18., 19., 23., 24., 25., 26. Mai 2012 _ jeweils 20 Uhr "Strindberg ist . . . " ein großer Schriftsteller voller Leidenschaft, Ecken, Kanten und Einmaligkeit – einer der großen Wegbereiter der Moderne, dessen 100. Todestag sich am 14. Mai 2012 jährt. Die tollen Illustationen machte für uns der Stuttgarter Künstler Aurèle Mechler - > www.abmechler.de/index.html

Zweite Premiere, am 18. Mai 2012
textband spielt: Ich träumte von August Strindberg

Mit Musik, Tanz, Bild und Stimme erweckt ›textband‹ Strindbergs Gedicht ›Ich träumte‹ zum Leben und entführt die Zuschauer auf eine Traumreise direkt in die Gedankenwelt des großen Visionärs und Träumers. In seinem Drama ›Ein Traumspiel‹ wollte Strindberg nichts Geringeres als die Form des Traumes nachbilden – eine künstlerische Praxis, die sich später im Surrealismus vollends entfaltete. Die Künstler teilen Strindbergs Vision und verdichten in ihrer Performance seinen Text zu einem visuellmusikalisch- sprachlichen Assoziationsraum, der, so O-Ton Strindberg, in der ›Phantasie weiter schafft und neue Muster webt: ein Gemisch von Erinnerungen, Erlebnissen, freien Erfindungen, Ungereimtheiten und Improvisationen.‹
›textband‹ macht lebendiges, zeitgenössisches Erzähltheater. Die eigenwilligen und absurd-humor-vollen Produktionen sind angesiedelt zwischen Lesung, Spiel und Konzert mit Live-Electronics und Visuals.
Regie und Konzept: Marcus Kohlbach _ Live-Electronics: Oliver Prechtl _Visuals: Anja Abele _Tanz: Alexandra Mahnke _ Sprecher: Sebastian Schäfer

Weitere Vorstellungen: 23. ( im Anschluss an >Inferno<) & 26. (Strindberg-Nacht) Mai 2012 Dritte Premiere, am 24. Mai 2012
von Feind.Bilder Lesung aus Strindberg-Erzählungen

Aus dem Prinzip der Gegnerschaft bezieht Strindberg einen entscheidenden Teil seiner kreativen Energie. Er schreibt gegen etwas an. Wütend, eifrig, rasend. Er ändert die Richtung, findet neue Gegner. Er fühlt sich dadurch aber auch verfolgt, ausgegrenzt und vermeintlicher Nachrede ausgesetzt.
Sogar Freunde werden zu Feinden, weil sie in Zeiten wirtschaftlicher Not Geld für ihn sammeln, und ihn so der ›Schande‹ preisgeben.
Die verschiedenen Erzählungen Strindbergs vermitteln in bemerkenswerten Bildern einen Eindruck dieser ›Gegnerschaft‹. Sie schildern ausführlich die Momente, in denen die Feindbilder auftauchen und lassen dabei durchblicken, wogegen Strindberg gerade in seinem Privatleben ankämpft …
Die Lesung ›Feind.Bilder‹ präsentiert brillante Passagen dieser ewigen Gegnerschaft. Abgerundet wird die Lesung mit Strindbergs Gemälden und Auszügen der ›Appassionata‹. Es wird erlebbar, wie der Feind aus dem Nichts auftaucht, wie gegen ihn alle Waffen aufgeboten werden, wie es alles nichts nützt. Weil Strindberg selbst es ist, der die Feindschaft ins Rollen bringt …
»Wenn ich daheim bin, sitze ich meist im Sonnenzimmer, und vom Fenster aus überblicke ich einen Garten, hinter welchem ein Haus steht; darin wohnt ein Mann, der mein Feind ist.« (aus ›Richtfest‹)
Von und mit Barbara Brandhuber und Robert Atzlinger
Weitere Vorstellungen: 25. & 26. (Strindberg-Nacht) Mai 2012 _ im Anschluss an ›Inferno‹

> Strindberg-Festival vom 14. – 26. Mai 2012

This entry was posted on Dienstag, Mai 22nd, 2012 at 08:55 and is filed under Kultur, Kunst, Literatur, Veranstaltung. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.